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Foto Kreisverband FGW BGL

Nachruf für Ludwig Prediger

Wir müssen Abschied nehmen von Ludwig Prediger. Es ist die Stunde Ludwig Prediger als den homo politicus zu würdigen und mit unserem aufrichtigen Dank als Freie Wähler aus unserer Mitte zu verabschieden. Das fällt gerade den Freien Wählern nicht ganz leicht, die mit Ihm gemeinsam im Stadtrat und im Kreistag Politik gestaltet haben.

Ein Pfarrer als homo politicus? Ja! Für Ludwig war das das Natürlichste der Welt, sich einmischen und für den/die Menschen die Stimme zu erheben, das war für ihn notwendig. Und deshalb machte es Ihn immer wieder sehr betroffen, wenn aus der Reihe der Mitbewerber bei Kommunalwahlen regelmäßig die Legitimation seiner Kandidatur zum Stadtrat und Kreistag in Frage gestellt wurde mit dem Hinweis auf seine Funktion „Pfarrer“. Er hatte aus Ende der 60er oder Anfang der 70er Jahre die Genehmigung zur politischen Betätigung von München. 

Ein homo politicus: Ja! Allein schon die Anzahl der Jahre mit ausgefüllten Ämtern und Mandaten zeigt dies deutlich:

  • 3 Perioden Stadtrat von 1978 bis 1996.
  • Von 1975 (Nachrücker) bis 2008 im Kreistag , also 32 Jahre ganze 5 Perioden

Das Amt war für Ihn tiefe Verpflichtung, das spürte man: er interessierte sich zunächst nur für den Kreistag. Warum? Seine Schule, die Berufsschule der noch kreisfreien Stadt Bad Reichenhall, wurde ab 1972 mit der Gebietsreform im neuen Landkreis BGL zusammengelegt. Die weitere Zukunft dieses Schultyps und die Bedingungen für junge Menschen waren für Ludwig als Berufschullehrer und -leiter außerordentlich wichtig. So versteht jeder, dass er auch 30 Jahre sich im Jugendhilfeausschuss des Landkreises als hoch angesehenes Mitglied engagierte.

Er engagierte sich für eine FWG im Kreis, die durch die Gebietsreform am Boden lag. Warum? REI wurde 1972 als bis dahin kreisfreie Stadt in den Landkreis eingegliedert. Und die Reichenhaller verstanden nicht, dass bei Kreistagswahlen die örtlichen Kandidaten mit Stimmen auszustatten eine zwingende Notwendigkeit für eine starke Vertretung im Kreis ist. So gab es für die Gruppierung kein Mandat für einen Reichenhaller! Ludwig Prediger rückte erst im Jahr 1975 nach und wurde dann von 1978 weg 5 Perioden sich der Wahl stellend immer wieder in den Kreistag gewählt bis er mit eigenem Entschluss 2008 dieses Mandat beendete. Und er war nie „Hinterbänkler“, er brachte sich immer voller Herzblut ein, nicht nur zu seinen Spezialthemen Schule, im speziellen Berufsschule, und Jugend. Auf seine Stimme und seine Meinung hörte man in der Fraktion, aber auch im Kreistag. Nicht von ungefähr war er dann auch von 1990 bis 1996 stellvertretender Fraktionssprecher der Kreistagsfraktion. Sein Engagement und seine Art wurden von der Bevölkerung sehr geschätzt, dies zeigte sich schon darin, dass er 1990 von Platz 11 auf der Kreistags-Liste auf Platz 4 „vorgewählt“ wurde.

Die Stadt Bad Reichenhall und der Stadtrat war Ludwig Prediger am Anfang nicht so wichtig – er konzentrierte sich auf die Berufsschulsituation im Kreis und auf Jugendthemen, und das regelte der Landkreis, nicht die Stadt! Also ließ er sich 1978 zur Stadtratswahl schließlich auf Platz 24 aufstellen – und endete nach der Auszählung auf Platz 2! Diesen Auftrag nahm Ludwig Prediger sehr ernst und engagierte sich von da an auch hart für das Gemeinwesen Stadt.

Was machte ihn nun aus?

Ludwig Prediger hatte immer ein gutes Gespür für das Denken und Empfinden in der Bevölkerung. Er war immer „nah am Volk“, erkannte früh Tendenzen und da und dort bestimmte er sie auch selbst.

Ludwig war stets ein hartnäckiger Mahner, ein Mahner für andere: meist für die Interessen der Jugend, der kleinen Leute oder der sozial wenig Begünstigten.

Er war Schnelldenker und „gnadenloser“ Analysierer! Das war seine ganz große Stärke! Dazu noch ein Meister beim „Finger in die Wunde legen“. – Und wenn es sein musste, dann geschah das auch so lange, bis es wirklich wehtat!

In den Gremien kannten ihn alle gut genug, und alle fürchteten diese Eigenschaften!

Schließlich kann der Mandatar Ludwig Prediger nicht ohne seine Weggefährten und Mitstreiter gesehen werden. Kritische Diskussionen wirkten nachhaltig und für die Entwicklung der Gruppe und des Gemeinwesens.

So schaffte es Ludwig Prediger zu inhaltlicher Führerschaft in der FWG und vor Ort. Durch seine herausragenden Talente in der Darstellung und seine Wortgewalt zog er viel Beachtung nicht allein auf sich, sondern auch auf die FWG und entwickelte so auch Dominanz auf dem Jahrmarkt der politischen Bühne. Und in der Bevölkerung nahm man Ludwig stets sein Denken auch ab und achtete es als positive Ansätze für das Gemeinwesen.

Die Stadt und auch der Landkreis verdanken seinem Einsatz und Engagement viele positive Beschlüsse und weitreichende Denkanstöße für Grundausrichtungen, die heute noch nachwirken. Egal ob für die Schulen, für die Jugend - auch bei Jugendangeboten oder Einrichtungen wie Sternenzelt oder Nachtschwärmer – oder für erneuernde Entwicklung der Stadt und des Landkreises.

Auch zahlreiche persönliche Freundschaften waren für Ihn selbstverständlich wie die Luft zum Atmen. Er konnte den Freund fordern und fördern und auch in schwierigen Zeiten beistehen.  

So nehmen wir Weggefährten in Trauer Abschied von einem Großen unserer Gruppierung und mit tiefer Traurigkeit Abschied von einem besonderen Menschen. Wir werden Deiner stets ehrend gedenken!

Ludwig – Danke für alles – Ruhe in Frieden!

Die Kreisvorstandschaft

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Dietrich Nowak

Dietrich Nowak
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